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Württemberg

Am 1.1.1806 entstand im "Frieden von Pressburg" das Königreich Württemberg, mit dem Stammherzogtum Schwaben, durch territoriale Veränderungen, die ein sogenannter Reichsdeputationshauptschluss mitbrachte. Das Königreich trat am 1. September 1815 als letztes Bundesland dem Deutschen Bund bei. 

Ab 1819 wurde es dann Republik oder auch Volksstaat mit eigener Posthoheit.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1871 trat es als Gliedstatt dem Deutschen Reich bei..

Das württembergische Wappen

Das Königreich Württemberg übernahm erst am 1. Juli 1851 den Postbetrieb, der bis dahin von Thurn und Taxis geführt wurde. Die ersten württembergischen Briefmarken Michel-Nr. 1 - 5 erschienen aber erst am 15. Oktober 1851.

Württemberg besaß bis zum 31. 3. 1920 eine eigene Posthoheit, obschon es ja bereits Mitglied des Deutschen Reiches war. Freimarken des Deutschen Reiches wurden aber bereits ab dem 1. 4. 1902 verausgabt. Dienstmarken des Deutschen Reiches allerdings gab es erst ab dem 1. 4. 1920Ab dem 1. 4. 1920 übernahm das Deutsche Reich endgültig die Posthoheit

Bis 1900 wurden  62 Freimarken herausgegeben und bis 1920 dann eine große Anzahl sogenannter Dienstmarken (Michel-Nr. 101 - 188 und 201 - 281). Die große Zahl der Marken, die Wechsel zwischen Kreuzer- und Pfennigzeit, die Übergänge vom Königreich zum Volksstaat eröffnen ein weites Sammelfeld.

Freimarke Nr. 1 vom

15. Oktober 1851

Dienstmarke Nr. 245 vom

6. Oktober 1916

 

Vorsicht ist allerdings bei den gestempelten Marken geboten . Eine große Zahl von "Gefälligkeitsstempeln", besonders aus Stuttgart sind im Umlauf. Hier ist in allen Fällen eine Absicherung durch einen vom Prüferbund zugelassenen Prüfer geboten. Dies gilt insbesondere dann, wenn sogenannte "Schnäppchenangebote" zum Kauf locken. Deshalb lieber zuerst prüfen lassen oder nur geprüfte Marken tauschen / kaufen. Immerhin geht es hier um große Preisunterschiede. Kostet zum Beispiel der Dienstmarkensatz Michel-Nr. 272 - 281 mit echtem Stempel 650,- DM, so ist er mit Gefälligkeitsstempeln für 27,50 DM zu haben (Stand Michel-Spezial 1999). Im folgenden Beispiel sieht man einen typischen Gefälligkeitsstempel:

Michel-Nr. 278 mit Gefälligkeitsstempel.

Der oben geschilderte Verlauf der Posthoheiten brachte für den Stempelsammler ein weites Gebiet mit besonderen Stempelarten. So sind die "alten" Württembergstempel aus der sogenannten "Kreuzerzeit" auf den Marken des Deutschen Reiches sehr gesucht und beliebt.

Wer sich hier spezialisieren will, sollte zunächst einmal die Fachliteratur über die Besonderheiten des Stempelsammelns gelesen haben. Der Fachmann unterscheidet hier Begriffe wie: Nachverwendete, spätverwendete, weiterverwendete, wiederverwendete Stempel.

 Eine Begriffsbestimmung: Nachverwendet sind solche Stempel, die noch nach Aufgabe der Posthoheit des Ursprungslandes gebraucht wurden. Württemberg bietet, wie auch alle anderen "Altdeutschen Staaten", auf diesem Sektor eine ganze Menge.

Württemberger Postkarten und Ganzsachen gibt es in großer Zahl. Sie sind eine schöne Ergänzung, wenn nicht sogar ein eigenes Sammelgebiet und  gestatten den Betrachtern oft einen amüsanten Blick in die Vergangenheit.

 

Eine mit typisch schöner Schrift gestaltete Ganzsache

Michel-Nr. P 13 a I / 01 vom 12. September 1874

 

Ganzsache Michel-Nr. P 26 / 01 vom 29. Januar 1883