Philatelie - Hobby und Wissenschaft

Philatelie ist mehr als Briefmarkensammeln!

Philatelie ist mehr als nur das Sammeln und Wegstecken von bunten Bildchen. Die umfassende Beschäftigung mit diesem Thema verlangt ein großes Wissen über die Besonderheiten jeder einzelnen Marke, ihre Herstellung und ihrer Gebrauchsspuren (z. B. die diversen Stempel und Handeinträge). 

Vieles ist erforscht, dokumentiert, katalogisiert; aber immer wieder gibt es Entdeckungen - große und kleine Erkenntnisse. Allein die "Bibel" des ernsthaften Sammlers, der Deutschland-Spezialkatalog, ("Michelkatalog"), hat inzwischen einen Umfang von rund 2.000 Seiten. Das ist die Basis, mit der man arbeitet, auf die man seine Sammlung aufbaut und seine Bestände abgleicht. 

Und zu fast allen Deutschen Sammelgebieten gibt es zusätzlich Spezialliteratur aus den jeweiligen Arbeitskreisen. Weil das Gebiet so groß ist, ist Begrenzung notwendig; viele Deutschlandsammler spezialisieren sich deshalb und sammeln nur bestimmte Gebiete oder festgelegte Perioden. 

So gibt es Sammler, die nur "Altdeutschland", oder Teile davon  (etwa Preußen, Baden, Norddeutscher Postbezirk etc), oder die ehemaligen deutschen Gebiete (Danzig, Memel, Saar), oder die Marken der "Alliierten Besetzung nach 1945" suchen und bearbeiten. Allein das Sammelgebiet Deutschland bietet mindestens 26 solcher Hauptbereiche, die oft noch unterteilt gesammelt werden. Manche Philatelisten beschränken sich beim Deutschen Reich beispielsweise auf die Germaniamarken, die zwischen 1900 und 1922 in vielen Varianten erschienen. Bitte sehen Sie sich auch die Seiten mit Sammelbeispielen an. Senden Sie mir eine Email, wenn Sie mir helfen können! Haben Sie Briefe/Postkarten aus den Sammelgebieten? Geben Sie Anregungen und Hinweise! Wollen Sie alte Sammlungen auflösen/verkaufen? Senden Sie mir eine Email

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In den letzten Jahren werden zudem vermehrt Briefe, Karten und sogenannte Ganzsachen gesammelt, das sind Postkarte / Briefe mit vorgedruckten Wertstempeln, die von der Post oder privat heraus gegeben wurden. Diese Ganzsachen gab es bereits 1849 in Hannover, das zum sogenannten Altdeutschland gehörte, also vor mehr als 150 Jahren. Was die Deutsche Post jetzt als Neuheit unter dem Namen "Plusbrief" verkauft, kannte man also schon lange bevor das Deutsche Reich (1871)  gegründet war.

Und neben dem Wissen über die Marken, ihre Herstellung und Verwendung, beschäftigt den ernsthaften Philatelisten das zugehörige Umfeld. Bestimmungen und Verordnungen der Post, Staatsformen und ihre Gesetze, Kriege und ihre Auswirkungen auf den Postdienst: und überhaupt alle Aspekte der Geschichte, die im weitesten Sinne zum Postumfeld gehören, sind Bestandteile einer umfassenden Betrachtung und Dokumentation. Philatelie, Postgeschichte und allgemeine Geschichte sind einfach untrennbar miteinander verbunden. Brachten doch die Veränderungen im Staatswesen, besonders  nach Kriegen und dazu gehörenden Besetzungen, immer wieder eigene Marken, Gebühren, Postwege, Stempel und Belege.

Das lässt sich an den Marken aus Deutschland besonders gut ablesen. Nehmen wir nur die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als nebeneinander die Marken aus der Bundesrepublik, aus Westberlin und der DDR das moderne Sammelgebiet Deutschland umfassten. Hier wird Geschichte greifbar, ablesbar von Markenmotiven, Aufdrucken, Währungen, Stempeln und den Kontrollstempeln auf Briefen.

Die Entwicklung der Postdienste vom Botenwesens zum heute bekannten, geordneten Postwesen, ist ein faszinierender Vorgang und gehört für den Historiker zur Betrachtung der allgemeinen Entwicklung der Menschheit. Es begann mit Metzgern, die bei ihrer Wanderung über Land die Briefe beförderten, bekam staatliche Strukturen und wurde immer wieder begleitet von privaten Diensten. Besonderheiten bei den jeweils eingesetzten Transportmitteln und Transportwegen sind hoch interessant, wie etwa die Rohrpost (siehe Berliner Rohrpost) oder die Luftpost, die mit den Zeppelin-Brieftransporten (etwa Südamerikafahrten), seltene, gesuchte, auch teure Exponate geschaffen hat.

Meine gesamte Sammlung ist postgeschichtlich angelegt (siehe auch Informationen zum "Sammlungsaufbau"). So füllen allein Briefe, Karten, Bebilderungen, technischen Beschreibungen und Stempelanalysen zum Sammelthema "Rohrpost" ein zehn Zentimeter dickes Album. Es berührt einen auf wundersame Weise, wenn man etwa eine Rohrpostkarte vom 27. Mai 1891 in den Händen hat, auf der ein Berliner Angestellter kurz vor Mittag seiner Frau mitteilt, dass sie nicht mit dem Essen auf ihn warten soll, weil er dienstlich verhindert sei . Wie die Stempel auf der Karte belegen, hat die wartende Ehefrau bereits eine Stunde später die Karte empfangen und konnte das Essen vom Herd nehmen.

Auf den folgenden Seiten gibt es für den neugierig gewordenen Sammler kleine Einblicke in dieses herrliche Hobby, das nicht nur Geld kostet, sondern natürlich auch Zeit frisst – aber es macht süchtig .- unendlich süchtig - und schenkt viele schöne Stunden; die man sicher auch alleine, aber viel besser noch mit Gleichgesinnten in Arbeitsgemeinschaften oder Vereinen verbringt. Der Philatelist braucht diesen Kontakt mit Gleichgesinnten zum Tausch, zur Diskussion, zur Wissenserweiterung; und nicht zuletzt, um Interessierte zu haben, die seine Sammlung, seine Dokumentation, seine speziellen Erkenntnisse bewundern.