Philatelie - Hobby und Wissenschaft

Tipps und Anregungen zum Sammlungsaufbau

Für viele Sammelgebiete hat der Fachhandel sogenannte Vordruckalben. Die grafisch schön gestalteten Seiten zeigen die Bilder der "normalen" Marken, die nach Michel-Nummern geordnet, problemloses "Ablegen" der Marken gestatten. Das ist zwar schön, hat aber einige Nachteile:

  • Die Blätter sind sehr teuer
  • Die Vordrucke lassen keinen Raum für Unterarten (Farbvarianten etc)
  • Ergänzungen um Belege, Briefe etc. machen Probleme
  • Eine individuelle Gestaltung ist ausgeschlossen
  • Der Fachhandel bietet auch Blankoblätter an, die nicht nur preiswerter sind, sondern auch eine freie Gestaltung erlauben. Wer einen PC, Scanner und Drucker hat, kann die Blätter frei gestalten, dem sind mit entsprechender Phantasie viele Möglichkeiten gegeben. Dazu gibt es im Fachhandel auch Software, die das Gestalten unterstützt und professioneller aussehen lässt.

    Hier einige Regeln für einen Sammlungsaufbau:

    1. Zunächst alles Wissenswerte über das Sammelgebiet anlesen. Dazu kann man in Bibliotheken oft gute Informationen als Hintergrundwissen erhalten
    2. Gute Philatelie-Fachbücher sind teuer, deshalb im Verein ausleihen. Aber sofort den aktuellen Katalog erwerben, der das Sammelgebiet ausreichend beschreibt. Tauschen kann man nur, wenn die Tauschpartner Kataloge mit gleichem Ausgabestand haben
    3. Als "Werkzeug" benötigt man zur Einordnung der Marken eine Lupe mit mindestens 10-facher Vergrößerung und einen Zähnungsschlüssel. Der Fortgeschrittene benutzt UV-Lampe, elektronischen Zähnungsschlüssel und Wasserzeichensucher
    4. Die Herstellung der Marken, Farbarten, Druckverfahren, Entwurfstechnik, Trennungsarten (geschnitten, gestochen, gezähnt), Zähnungsverfahren oder Zähnungsarten, Papierarten, Papierfarben und Bogenaufbau, sind nur einige der Schlagworte, die das umfangreiche Wissen beschreiben, das man als Philatelist erwerben muss
    5. Nicht nur "postfrische", oder "ungebrauchte" Marken sammeln. Gestempelte Marken sagen mehr aus, als eine nie auf den Weg geschickte Marke
    6. Das Sammeln  nicht auf Marken beschränken; Briefe, Postkarten, Einzahlungsbelege und Quittungen kann man mit den gestempelten und ungebrauchten Marken kombinieren
    7. Landkartenausschnitte (vielleicht auch historische Zeichnungen) und andere Zeitdokumente ergänzen die philatelistische Sammlung
    8. In der Sammlung sind alte Geldscheine, Landkarten, Fotos von Postgebäuden, Kutschen, Posthausschildern, Fotos alter Briefkästen, alter Postuniformen, Bildpostkarten (siehe Beispiel) und Kopien von alten Verordnungen nicht nur schön, sondern auch lehrreich
    9. "Eine Briefmarke flüstert, ein Brief spricht!" Wer einmal einen mehr als 100 Jahre alten Brief in der Hand gehabt hat, wird diese Weisheit bestätigen
    10. Die Sammlungsstücke erst einmal in Steckalben (preiswert!) geordnet nach Michel-Nr. ablegen; am besten am Albenrand die Nummern des Michel-Kataloges mit Bleistift eintragen
    11. Doppelstücke sind wichtig für Vergleiche von Farben, Zähnungen  oder anderen Varianten. Auch die verschiedenen Stempel haben ihre Besonderheiten und Reize. Also: Doppelstücke nicht gleich weggeben
    12. Bei fast allen Sammelgebieten muss auf Fälschungen geachtet werden. Stempel wurden rückdatiert oder gefälscht, Aufdrucke hat man verfälscht oder nachgemacht.  Marken, Zähnungen und rückwärtige Gummierung wurden repariert. 
    13. Deshalb: Vorsicht beim Kauf oder Tausch. Zur Vorbeugung, aber auch um vermutete Abarten feststellen zu lassen, gute Stücke zum Prüfer senden
    14. Beim Anlegen der Alben eine gute Kombination von Marken und Belegen benutzen; die Sammlung wirkt besser, aufgelockerter 
    15. Platz lassen für künftige Stücke, für mögliche Varianten (Farbabweichungen etc.)
    16. Jede Marke und auch die Belege mit Michel-Nr. dokumentieren. Alle Besonderheiten des Stückes ausführlich beschreiben. 
    17. Bei Karten und Briefen auf Portogenauigkeit achten; die Preisunterschiede sind gewaltig.

    Einen Eindruck von der Schönheit philatelistischer Belege gibt diese Karte:

    Kriegspostkarte 1. Weltkrieg 1914:

    Abgebildet ist SM Kaiser Wilhelm II.

    Schauen sie auf seinen handgeschriebenen Leitspruch und sein Autogramm.

    Rückseite der Karte; sie wurde in

    Hamburg am 21.11.1914 abgesendet