Philatelie - Hobby und Wissenschaft

Der Philatelist braucht Schutz vor Betrügern

Ich habe ja bereits auf der ersten Seite gesagt: Philatelie unterscheidet sich gravierend vom volkstümlichen "Briefmarkensammeln". Der Philatelist begnügt sich nicht mit dem Kaufen und Wegstecken der Marken aus seinem Sammelgebiet. Er will dahinter schauen, will die Gründe für die Herausgabe, die Herstellung und die Verwendung der Poststücke erfahren und bewerten. Er beleuchtet das Umfeld, das postalische wie das staatliche oder politische. Er weiß etwas über die Postwege und Portosätze, kann Stempelarten und Karten- und Briefsorten unterscheiden. Natürlich kann Philatelie nur ein Teil der Beschäftigung sein. Sie ist und bleibt ein Stück Freizeitgestaltung - wenn man nicht gerade Händler oder Auktionator ist.

Und selbst die Freizeit ist meistens nicht nur mit diesem Hobby ausgefüllt. So bin ich in meiner Freizeit zwar auch Philatelist, aber gleichzeitig Historiker, Freier Journalist, Fotograf, schreibe historische Bücher und arbeite als Beirat im Stadt-Archiv.

Meine philatelistischen Erfahrungen habe ich in mehr als 25 Jahren gesammelt. Einige dieser Erkenntnisse fasse ich hier zusammen und will sie als Tipps, Anregungen oder Ratschläge an alle jungen und alten Sammler weiterreichen.

Alle Sammler haben ein riesiges Problem: Viel Schaden wird durch unseriöse Geschäftemacher und Fälscher angerichtet. Auch wegen dieser hässlichen Begleiterscheinungen empfiehlt es sich, einem örtlichen Verein beizutreten, dessen Adresse sie sicher über die Stadtverwaltung erfahren können. Darüber hinaus gibt es Dachorganisationen, die das Thema "Sammlerschutz" sehr wichtig nehmen. In den Publikationen der verschiedenen Organe gibt es immer wieder Hinweise, die man unbedingt beachten sollte, will man nicht auf Betrügereien herein fallen. Übrigens ist das keine Erscheinung unserer Zeit; solange Briefmarken gesammelt werden, gab es Fälschungen und Betrug. 

Meine erster und wichtigster Rat heißt Beschränkung. Der Allessammler hat im Grund genommen nichts; er kann nie ein abgeschlossenes Sammelgebiet vorweisen, verzettelt sich beim Sammlungsaufbau und  wird nie eine Sammlungstiefe erreichen, die doch eigentlich das Ziel ist. Und hinzu kommt: Sammeln kostet Geld. Und das sollte man gezielt einsetzen, sich intensiv um Marken, Belege und Wissen eines überschaubares Gebietes kümmern. Hat man dann tatsächlich einen Punkt erreicht, an dem man zufrieden auf seine Sammlung blicken kann, dann sucht man sich sorgsam eine neue Aufgabe.

Ich bin selber seit Jahren Mitglied des Briefmarkensammlervereins Bayer e. V. Gruppe Dormagen und des Bundes Deutscher Philatelisten (BDPH) . Wichtige Hilfen erhält man aber auch in Arbeitsgemeinschaften (abgekürzt ARGE), die für viele Sammelgebiete existieren. Ihre Anschriften erfährt man zum Beispiel aus dem Anhang der Michel-Kataloge. Ich bin seit vielen Jahren Mitglied der ARGE DANZIG. Hilfen und Adressen findet man aber auch im Internet. Als erste und gute Hilfen sollten folgende Adressen ausreichen:

Tamundo-BriefmarkenweltBund Deutscher Philatelisten Michel Katalog Deutsche Post

Eine ziemlich umfangreiche Sammlung von Sammleradressen und Händlerangeboten hat auch

http://www.web.de

Hier einige kurz gefasste Ratschläge:

  1. Beschränken beim Sammelumfang (nicht alle Welt sammeln), zunächst nur ein Gebiet bearbeiten
  2. Rat und Erfahrung in Vereinen suchen, Fachliteratur lesen
  3. Das Internet mit Suchmaschinen benutzen; Suchbegriffe sind: Briefmarken, Auktionen,  Philatelie. Aber auch die Namen des jeweiligen Sammelgebietes, um Informationen zu erhalten (z.B. "Danzig" oder "Memel")
  4. Das Sammeln nicht als Geldanlage betrachten; die Briefmarke ist nicht die Aktie des kleinen Mannes!
  5. Von Beginn an keinen Schund in die Sammlung aufnehmen. Man wird ihn nie mehr los und man macht sich bei Tauschpartnern lächerlich oder verdächtig
  6. Nicht jedes Doppelstück gleich wegtauschen: Manchmal stecken unerkannte Schätze in den Alben (Farbabweichungen oder andere Abarten sind gar nicht so selten)
  7. Akzeptieren, das sogenannte "Schnäppchen" meistens Betrug oder fast immer ein Reinfall sind (keiner verschenkt etwas); sogenannte "Kartons", "Supergünstige Angebote" etc. sind in der Regel Schund
  8. Die Katalog-Michelpreise nicht als Verkaufspreise betrachten (man erhält in der Regel nur einen Bruchteil) zurück. Die Michel-Preisnotierungen sind hauptsächlich eine Tauschbasis, in Relation zu sehen und keine Netto-Preise für den Verkäufer
  9. Wenn sie verkaufen wollen / müssen, dann im Verein um Hilfe bitten; angesehene Auktionshäuser bieten gute Hilfen. Die Adressen kann man notfalls in den "Gelben Blättern" finden
  10. Angebotene Stücke, besonders wenn sie teuer sind, müssen von einem anerkannten Prüfer mit Attest oder rückwärtigem Stempel (z.B. INFLA) geprüft sein. Ein einfacher Namenszug ist kein vollwertiger Prüfstempel!
  11. Im Zweifelsfall Marken, Briefe, Karten vor dem Kauf noch einmal prüfen lassen. Im MICHEL-Katalog sind die Prüferadressen eingetragen
  12. Mit Geduld sammeln; irgendwann gibt es das begehrte Stück preiswerter als gerade im Moment
  13. Bei Auktionen schnuppern gehen, sich informieren, günstige Ausrufe mitbieten, dabei aber sich selber vorher eine Obergrenze setzen.
  14. Daran denken, dass bei einem Zuschlag die Sache rechtsverbindlich ist! Und zum Zuschlagspreis kommt noch das "Aufgeld". Man rechnet am besten immer 25% drauf.
  15. Regelmäßig mit anderen Sammlern und Philatelisten Gedankenaustausch, Erfahrungsaustausch und last but not least Markenaustausch betreiben!!!
  16. Keine Hetze! Philatelisten haben Geduld: Suchen ist oft schöner als Finden!