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Preußen

Preußen, ein Begriff, ein Wort, dass Assoziationen weckt. Da ist nicht nur das Staatsgebilde, das aus dem ehemaligen Herzogtum am 8. 4. 1525 im sogenannten Krakauer Vertrag zwischen König Sigismund I. von Polen und dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht Marktgraf von Brandenburg-Auerbach entstand. Da regen sich widersprüchliche Gefühle; schlagartig fallen ein Dinge ein, die mit Preußen verbunden werden: Preußentum, Ehrgefühl, Pflichtbewusstsein, Offiziersstand, Preußischer Barock, Preußische Akademie der Wissenschaft, Preußische Justiz, Kriege, Siege und Niederlagen. - 

Und natürlich fällt uns das Preußische Postwesen ein - und damit eine erneute Assoziationen, Heinrich von Stephan, der große Organisator des Postwesens. Er wurde am 8. 1. 1831 in Stolp geboren und starb am 8. 4. 1897 in Berlin. Er wurde Generalpostmeister und baute dann, nach Gründung des Deutschen Reiches als Staatsminister die Reichspost auf. Er führte 1870 die Postkarte ein und gründete 1874 den Weltpostverein.

Seinem Buch, "Geschichte der Preußischen Post von ihrem Ursprung bis zur Gegenwart" aus dem Jahre 1859 verdanken wir wohl den besten Einblick in alle Winkel und Ecken der preußischen Postgeschichte. Das Buch kann man nur jedem Preußensammler zur Lektüre empfehlen.  Da es nur bis 1987 in der ehemaligen DDR verlegt wurde, muss man es sich wohl aus Bibliotheken ausleihen. Ich habe das Glück, einen eigenen Band zu besitzen.

Die Geschichte der Preußischen Marken ist eher unspektakulär. Am 15. November 1850 wurden mit entsprechendem Erlass, der unten nachzulesen ist, an den Preußischen Postämtern Briefmarken eingeführt

Die erste Marke

Michel-Nr. 1 vom 

15. November 1850

Die letzte Marke

Michel-Nr. 26 vom

1. Juli 1867

Man muss dazu wissen, dass ab diesem Zeitpunkt nicht mehr die Empfänger der Briefe das Porto zahlen mussten. Mit dem Kauf der Marke übernahm der, der das Poststück aufgab, auch die Kosten für die Zustellung. Das war eine Revolution und manche Zeitgenossen hatten damit ihre Probleme. Es erschien ihnen als Beleidigung des Empfängers, ihm das Zahlen abzunehmen. Man befürchtete, der Briefempfänger könne glauben, man hielt ihn nicht mehr für zahlungsfähig.

Preußisches Posthausschild von 1770

Die Einführung der Briefmarke begann in allen sogenannten "Altdeutschen Staaten", zu denen auch Preußen zählte, zu verschiedenen Zeiten. So gab es in Bayern die ersten Marken bereits am 1. November 1849 und z. B. in Mecklenburg-Strelitz erst am 1. Oktober 1864.

Verglichen mit anderen Sammelgebieten (etwa Danzig / Memel) erschienen in Preußen recht wenige Marken. In der Zeit von 1850 bis 1867 wurden nur 26 verschiedene Briefmarken heraus gegeben. Die Marken von Michel-Nr. 1-13 sind geschnitten. Das heißt, dass in den Markenbögen keine Trennhilfen vorhanden waren. Die Postbeamten mussten jede Marke mit der Schere sorgfältig heraus trennen. 

Es gab zwar eine Anordnung, die Marken exakt in der Mitte der Abstandsflächen zu schneiden, aber man kann sich vorstellen, dass im normalen Schalterbetrieb nicht immer genau gearbeitet wurde. Das führt dazu, dass manche Marken vollrandig sind, also nicht angeschnitten, andere übervollrandig, also mit einem mehr als normalen Rand und wieder andere angeschnitten wurden, also ohne Rand oder sogar mit Verletzung des Markenbildes. Das beeinflusst die Preise bei allen geschnittenen Marken Altdeutschlands ganz erheblich.

Bitte stets beim Markentausch oder Markenkauf auf diesen Umstand achten!!

Am 31. 12. 1867 verloren die Preußischen Marken ihre Gültigkeit, weil die Posthoheit an den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) überging. Das ist dann wieder ein eigenes Sammelgebiet und wegen der vielen Stempelbesonderheiten ein reizvolles Thema..

Ein preußischer Brief: Ganzsache U 1 von 1851

Abbildung König Wilhelm I.

Trotz der wenigen Marken ist Preußen ein vielfältiges und schönes Sammelgebiet. Seine zahlreichen Stempelbesonderheiten, Farbvarianten, Ganzsachen und Briefe machen den Reiz aus. 

Ich habe inzwischen jede Preußenmarke mindestens fünffach abgelegt und das allein wegen Farbunterschieden und Stempelbesonderheiten.

Und das Sammelgebiet bleibt übersichtlich, gestattet auch dem nicht so gut betuchten Sammler jede Marke zu erwerben.

Erlass zur Einführung der Briefmarken in Preußen