Philatelie - Hobby und Wissenschaft

Historische Zeichnung der Ostseestadt Memel

Memelgebiet - Memelland

Memelgebiet; So bezeichnete man den nördlich von Memel und Ruß gelegenen Teil Ostpreußens, ferner die Nordhälfte der Kurischen Nehrung. Er war 2.830 qkm groß und hatte 1938 gerade mal 153.000 Einwohner. 

Ein nur kurzlebiges politisches Gebilde war das »Memelgebiet«, das oft auch »Memelland« genannt wurde. Das Gebiet gehörte von 1422 bis 1920 ununterbrochen zu Preußen. Für den Philatelisten wurde es erst 1920, in der Folge des 1. Weltkrieges interessant, als durch den Versailler Vertrag, dem "Friedensdiktat", wie viele Kritiker sagen, das Memelgebiet vom Reich abgetrennt und zum "Autonomen Memelgebiet" erklärt wurde. Es ist für den Philatelisten ein abgeschlossenes Gebiet, das von 1920 - 1925 reicht. Danach, bis zur Wiedereingliederung, erschienen keine neuen Marken mehr. Allerdings gibt es natürlich Belege, Karten, Briefe, die bis zum 21. 3. 1939 mit Litauer Marken freigemacht wurden.

Das Memelgebiet musste im Versailler Vertrag (am 9. 7. 1919 Ratifizierung durch Deutschland) ohne Volksabstimmung an die Alliierten abgetreten werden. Am 15.2. 1920 übernahm Frankreich die Mandatsverwaltung. Bereits einen Tag später, am 16. 2. 1920, wurde es von französischen Truppen besetzt.

Am 10. 1. 1923 wurde das Memelgebiet von litauischen Freischärlern besetzt. Am 16.2. 1923 genehmigte die Botschafterkonferenz in Paris die Angliederung an Litauen. Als Auflage galt nur die Anerkennung des Memelstatuts vom 14. 3. 1924, dass Memel eine autonome Verwaltung unter Aufsicht des Völkerbundes erhalten zubilligte.

In der "Konvention über das Memelgebiet" vom am 8. 5. 1924 erhielt Litauen dann die uneingeschränkte Souveränität über das Gebiet.

Das kleine "Fleckchen Memelgebiet"

Unter der französischen Mandatsverwaltung wurden zunächst Germaniamarken des DR mit Aufdruck "Memelgebiet" verausgabt. Sie sind als Michelnummern 1-17 registriert worden. Dann folgten 103 französische Marken verschiedener Ausgaben mit Aufdruck Memel und Wertüberdruck in deutscher Währung (registriert unter den Michelnummern 18-120).

Nachdem bereits am 24. 1. 1923 die Post im Memelgebiet der litauischen Verwaltung unterstellt worden war, erschienen bis zum Inkrafttreten der Memelkonvention Mitte 1925 insgesamt 114 weitere Marken. Sie sind unter den Michelnummern 121-237 registriert. Zunächst waren es Restbestände dreier französischer Marken für Memel mit neuem Wertüberdruck in litauischer Währung (Michelnummern 121-123). 

Danach folgten litauische Marken mit Aufdruck und eine sogenannte "endgültige Dauerserie" mit einer Gedenkausgabe (Michelnummern 141-163). Diese Marken waren aufgrund der Währungsumstellung nur wenige Wochen in Gebrauch. Alle weiteren Ausgaben (Michelnummern 167-237) waren sogenannte "Überdruckprovisorien", die durch zahlreiche Untertypen geprägt sind.

Am 22. 3. 1939 wurde ein Vertrag von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und Litauens Außenminister Juozas Urbsys unterschrieben, mit dem das Memelgebiet am Folgetag wieder Teil des Deutschen Reiches wurde. Aber bereits am 22. 3. erschienen vier Litauische Marken, die mit dem Aufdruck "Memel ist frei!" überdruckt waren. Sie sind als Michel-Nr. I – IV registriert.

Ähnlich wie bei den Marken des Danziger Freistaatgebietes, gibt es auch von den Memelmarken dieser Zeit eine große Zahl von Aufdruck- und Stempelfälschungen. Da hier fast ausschließlich einfachste Druckverfahren angewendet wurden, bot sich den Markenfälschern zu allen Zeiten ein reiches Betätigungsfeld. Insbesondere die teuren Stücke sollten nur erworben werden, wenn ein Prüfstempel BPP aufgetragen ist oder ein Photoattest vorliegt.

Hier, wie auch bei anderen alten Sammelgebieten, sollte man daran denken, dass die frühen Sammler ihre Marken mit Falz in die Alben klebten. Heute gilt aber eine rückseitig unbeschädigte, unberührte Marke als teures Ideal. Ob sinnvoll oder nicht, das treibt die Preise. Bestimmte Marken gibt es quasi nur gestempelt oder mit Falz und das verlockt die Fälscher immer wieder, mit Nachgummierungen Geld zu machen. 

Da das Sammeln der zahlreichen Ortsstempel sehr beliebt ist und teilweise nur Einzelstücke am Markt sind, werden auch Stempel gefälscht. Es gibt hier sehr gute Fälschungen, die nur der versierte Prüfer erkennen kann.

Also nochmals: Vorsicht und nochmals Vorsicht! Prüfernachweise sind unbedingt erforderlich!!

Aber lassen sie sich das Hobby nicht durch Betrüger vermiesen . Wenn man nicht blauäugig in die Falle tapst, kann man gerade mit den Marken des Memelgebietes und seinem unermesslichen Stempelreichtum ein herrliches Sammel- und Wissensgebiet aufbauen.

Sie sehen hier Abbildungen von Memel-Marken, die einen ersten Eindruck von der wechselhaften Geschichte des Memellandes und damit auch seiner Post aufzeigen. Zu Beginn wurden die Marken des Deutschen Reiches (mit Überdruck) verwendet (siehe Michel-Nr. 9)., Dann folgten französische Marken mit Memel-Überdruck (siehe Michel-Nr. 25) und zum Schluss, als Litauen das Memelland okkupiert hatte, erschienen eigene Memelmarken in litauischer Sprache (siehe Michel-Nr. 192, hier mit Überdruck 1 LITAS (litauische Währung).

 Michel-Nr. 9

Michel-Nr. 25

Michel-Nr. 192

Eine gute Beschreibung der Geschichte des Memelgebietes bietet auch die Homepage von Herrn Matheisen:

http://home.t-online.de/home/kh.matheisen/Memel/frameset2.htm